Book of Enoch 106

Kapitel 106

1 Nach einigen Tagen nahm mein Sohn Metusala ein Weib für seinen Sohn Lamech; sie ward von ihm guter Hoffnung und gebar einen Sohn.
2 Sein Leib war weiß wie Schnee und rot wie eine Rose, sein Haupthaar weiß wie Wolle und seine Augen wie Sonnenstrahlen. Wenn er seine Augen öffnete, dann erleuchtete er gleich der Sonne das ganze Haus, und das ganze Haus ward sehr hell.
3 Darauf richtete er sich in den Händen der Hebamme auf, öffnete seinen Mund und redete mit dem Herrn der Gerechtigkeit.
4 Da fürchtete sich sein Vater Lamech vor ihm und floh; so kam er zu seinem Vater Metusala.
5 Er sprach zu ihm: Ich habe einen merkwürdigen Sohn; er gleicht nicht einem Menschen, sondern den Gottessöhnen des Himmels und seine Natur ist verschieden; er ist nicht wie wir; seine Augen gleichen Sonnenstrahlen und sein Antlitz ist majestätisch.
6 Es dünkt mir, daß er nicht von mir abstammt, und ich fürchte, daß in seinen Tagen auf Erden ein Wunder geschieht.
7 Nun, mein Vater, bin ich hier, um dich flehentlich zu bitten, du mögest zu unserm Vater Henoch gehen von ihm die Wahrheit zu erfahren; er wohnt ja bei den Engeln.
8 Als Metusala die Worte seines Sohnes vernommen hatte, kam er zu mir an die Enden der Erde; denn er hatte erfahren, daß ich hier sei. Er rief laut und ich vernahm seine Stimme; dann kam ich zu ihm und sprach zu ihm: Mein Sohn! Hier bin ich. Warum kamst du zu mir?
9 Er antwortete: Ich kam zu dir wegen einer beängstigenden Sache und wegen einer beunruhigenden Erscheinung besuchte ich dich.
10 Nun hör mich an, mein Vater! Meinem Sohn Lamech ward ein Sohn geboren, dessen Gestalt und Natur nicht der Natur eines Menschen gleicht. Die Farbe seines Körpers ist weißer als Schnee und roter als Rosen, sein Haupthaar weißer als weiße Wolle, und seine Augen sind wie die Sonnenstrahlen; öffnet er seine Augen, dann erhellen sie das ganze Haus.
11 Er richtete sich unter seiner Hebamme Händen auf, öffnete seinen Mund und pries den Herrn des Himmels.
12 Sein Vater Lamech aber fürchtete sich vor ihm und floh zu mir; er glaubte nicht, daß er von ihm stamme, sondern daß er ein Abbild der Engel des Himmels sei. So bin ich zu dir gekommen, daß du mir die Wahrheit kundtuest.
13 Da antwortete ich, Henoch, und sprach zu ihm: „Der Herr wird etwas Neues auf Erden schaffen.“ Dies sah ich schon in einem Gesicht und tat dir kund, daß im Zeitalter meines Vaters Jared einige der Engel des Himmels das Gebot des Herrn übertraten.
14 Ja, sie begingen eine Sünde und übertraten das Gesetz. Sie vermischen sich mit Weibern und sündigten mit ihnen; sie heirateten einige davon und zeugten mit ihnen Kinder.
15 Ein großes Verderben kommt nun über die ganze Erde; es kommt eine Sintflut und ein großes Verderben für ein Jahr.
16 Dieser Sohn, der euch geboren ist, wird auf Erden übrigbleiben, und seine drei Söhne werden mit ihm gerettet werden. Wenn alle andern Menschen auf Erden sterben, dann wird er mit seinen Söhnen gerettet werden.
17 Sie zeugen auf Erden die Riesen nicht dem Geist, sondern dem Fleisch nach. So kommt ein großes Strafgericht über die Erde, und die Erde wird dann von allem Schmutz gereinigt.
18 Aber nun sage deinem Sohn Lamech, daß der Neugeborene wirklich sein Sohn ist! Nenne seinen Namen Noe! Denn er bleibt übrig und wird mit seinen Söhnen aus dem Verderben gerettet das wegen all der Sünde und aller der in seinen Tagen auf Erden verübten Gottlosigkeit über die Erde kommen wird.
19 Danach wird die Gottlosigkeit noch weit größer werden als die, die zuerst auf Erden begangen ward. Denn ich kenne die Geheimnisse der Heiligen. Der Herr offenbarte sie mir ja, und ich las sie auf den himmlischen Tafeln.